Blau.Pause – MAGAZIn
Das Blaue Wunder
Nach dem Drucken ist vor dem Färben – wir standen wieder in der Blaudruckerei Pulsnitz, diesmal in der Hexenküche, wie Frau Reppe die Färberei humorvoll nennt.
Eine Mischung aus Vorfreude und leiser Anspannung machte sich breit. Wie werden unsere ersten selbst gedruckten Blaudruck-Stoffe aussehen? Wird alles beim Färben gut gehen? Können wir einem der ältesten Handwerke gerecht werden?
Das Färbebad war längst vorbereitet, schon am Vortag angesetzt von Frau Reppe, die ihr Handwerk so ruhig und selbstverständlich ausführt, dass wir erst im Nachhinein begreifen, wie grundlegend dieser unscheinbare Schritt eigentlich war.
Wir hängten unsere zuvor bedruckten weißen Leinenbahnen sorgfältig auf den Tauchkorb, jeder Handgriff bedacht, jede Bewegung langsam, weil schnell klar wurde, dass hier alles stimmen musste, wirklich alles, da selbst kleinste Fehler später sichtbar geblieben wären.
Diese leise Ehrfurcht begleitete uns, als wir begannen, langsam an der Kurbel zu drehen und sich das große Rad in Bewegung setzte, während unsere Stoffe nach und nach in die Tiefe des Färbebads glitten und schließlich ganz darin verschwanden.
Ein kurzer Blick zu Frau Reppe reichte aus, sie wirkte zufrieden, der Stoff hatte sich gut entfaltet, und dieses kleine Zeichen gab uns eine erste Sicherheit.
Dann begann das Warten. Mindestens zwanzig Minuten musste der Stoff im Bad bleiben, und das war erst der erste von insgesamt fünf Tauchgängen.
Die Frühlingssonne schien, und wir nutzten diese gewonnene Zeit, ohne sie wirklich zu füllen, standen zusammen, setzten uns zwischendurch und ließen die Gedanken treiben. Kurz: wir machten blau!
Denn genau auf diesen Prozess geht das alte Sprichwort zurück: auf das Warten zwischen den Färbegängen, in dem scheinbar nichts passiert, der Stoff aber genau in dieser Zeit das entwickelt, was später sichtbar wird.
Als wir nach zwanzig Minuten zurückkamen und den Stoff langsam aus dem Bad zogen, lag eine spürbare Erwartung in der Luft, denn nach dem ersten Tauchbad kann man „sein blaues Wunder erleben“. Der Stoff kommt nicht blau, sondern grün aus dem Bad. Das Blau entsteht erst durch die Oxidation an der Luft und so kann man zuschauen, wie sich die Farbe von Grün zu Blaugrün und schließlich zu einem hellen Blau entwickelt.
Danach begann der Prozess von vorn. Noch vier Tauchgänge lagen vor uns, immer wieder eintauchen, warten, herausziehen, und mit jedem Durchgang wurde klarer, dass sich hier nichts beschleunigen ließ und dass genau darin eine eigene Qualität lag.
Nach mehreren Stunden und fünf Durchgängen durften wir den Stoff schließlich abhängen und begannen, ihn in verschiedenen Fässern auszustampfen, bis sich die gesamte Druckmasse vom Gewebe gelöst hatte.
Gemeinsam hängten wir anschließend unsere zehn Meter lange Stoffbahn zum Trocknen auf, zogen sie glatt, zupften an den Enden und richteten sie so aus, dass sie ruhig und gleichmäßig hing, weil auch dieser letzte Schritt noch einmal darüber entschied, wie das Ergebnis sichtbar werden würde.
Wir standen davor, schauten auf unsere Muster und erkannten, was entstanden war. In den Gesichtern lag dieses zufriedene Strahlen, während gelacht und gescherzt wurde.
Im Rückblick bleibt vor allem dieses Gefühl.
Zu erleben, wie viel Arbeit, Zeit und Präzision in diesem Handwerk steckt, hat uns berührt. In diesem Moment wurde noch einmal klar, warum dieses Kunsthandwerk den Titel des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes trägt.
Begleitet uns auf dieser Reise …
Ihr könnt unser Geschehen ab sofort auch auf dem Whatsapp-Kanal »Blau.Pause – Blaudruck in Pulsnitz« verfolgen.
Gemeinsam etwas bewegen
Wir suchen immer engagierte Menschen, Unternehmen, Institutionen, Schulen und Hochschulen, die mit uns zusammenarbeiten möchten – ob als Sponsor, Partner oder tatkräftige Unterstützung vor Ort.